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NO COPY

NEUE VERBREITUNGSWEGE

 

Die Verbreitung von Schwarzkopien beschränkte sich zunächst auf die persönliche Weitergabe und den Postweg. Erst später weitete sie sich auch auf die Datenfernübertragung und Telefonleitungen aus. Da das Internet damals noch in kaum einem privaten Haushalt vorhanden war, benutzte die Szene Modems, um die Software weltweit verteilen zu können.


Die Verbreitung fand anfangs nur über geschlossene, ausschließlich den Szenemitgliedern (Scenern) zugängliche Netzwerke statt. Die Szene wählte sich in spezielle Systeme, sogenannte Bulletin Board Systems (BBS), ein und verbreitete täglich gecrackte Software. Diese Boards wurden zur größten Kommunikations- und Tauschbörse der Crackerszene.


Die Einwahl in ein Board erfolgte über ein Modem vom heimischen Rechner aus. Das Board bot den Mitgliedern die Möglichkeit, Dateien abzuladen und untereinander zu verbreiten. Darüber hinaus konnten sie sich über die neusten Ereignisse der Szene austauschen und frisch veröffentlichte Schwarzkopien (Releases) diskutieren. Die Oberflächen der Boards bedienten sich oft einer verwirrenden Navigation. Das Fehlen grafischer Objekte erschwerte Laien die Nutzung. Außerdem war Außenstehenden der Zugang aufgrund der zahlreichen und sich ständig ändernden Zugangspaßwörter nahezu unmöglich.


Bei einem Board stand jedoch auch den Mitgliedern nur eine begrenzte Menge an Leitungen zur Verfügung. Es herrschte daher der Grundsatz, daß zunächst einmal nur diejenigen etwas herunterladen durften, die auch bereit waren, die Szene aktiv zu unterstützen. Bei vielen Boards gab es daher ein sogenanntes Ratio, welches das Verhältnis von Nehmen und Geben regelte. Ein Ratio von 1:3 bedeutete, daß ein aktives Mitglied beispielsweise 100 Kilobytes an Daten vom eigenen Rechner auf das Board übertragen mußte, um 300 Kilobytes an gecrackter Software herunternehmen zu dürfen.

 

Screenshot aus einem Board mit der Rangliste der fleißigsten Mitglieder

 

 

Der Wettkampf der Cracking Groups um den schnellsten Crack einer Software wurde mit der Zeit immer organisierter. Die Gruppen konkurrierten permanent um die Erstveröffentlichung neuer Schwarzkopien. Diese wurden oft nach einem Punktesystem bewertet, und wie beim echten Sport gab es Tabellen mit den Plazierungen der führenden Mitglieder und den dazugehörigen Gruppen. Die illegal verbreitete Software war meist erst am selben Tag in den Handel gekommen (0-Day-Warez, abgekürzt 0Dayz), oder sie wurde, durch enge Kontakte zu den Mitarbeitern mancher Softwarehersteller, sogar noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin in den Boards verbreitet. Die Cracking Groups schmückten sich mit der Gesamtzahl ihrer Major Releases, um ihren Status in der Crackerszene zu manifestieren. Hin und wieder kam es auch vor, daß im Wetteifer eine Software von verschiedenen Cracking Groups gecrackt und als Kopie veröffentlicht wurde. Der zweite Crack desselben Produkts, der es in die Verbreitung geschafft hatte, wurde in der Szene als Dupe bezeichnet (abgeleitet vom englischen Wort "duplicate"). Dupes wurden von anderen Cracking Groups fast immer mit einem sogenannten Disrespect geächtet.


Wie bei den Cracking Groups selbst entstand auch unter den Betreibern der Boards (den sogenannten Sysops oder Ops, Kurzform des englischen Begriffs "system operators") ein harter Konkurrenzkampf darum, wer die aktuellsten Releases auf seinem System anbieten konnte. Demjenigen, der es mit seinem Board an die Spitze schaffte, war der Respekt der Szene gewiß.
Ende der 80er Jahre war die Szene weltweit bereits zu mehreren zehntausend Mitgliedern angewachsen, die anfingen sich als "Elite" zu bezeichnen. Es ging nun nicht mehr darum, sich Respekt oder Ruhm bei Gelegenheitskopierern zu verschaffen, sondern nur noch innerhalb der eigenen Szene so bekannt wie möglich zu werden. Es entwickelte sich eine ganz eigene Kultur des Crackens. Die "Crackerelite" wurde eine in sich geschlossene Gemeinschaft, die ein Eigenleben mit speziellen Regeln führte. Einer Cracking Group einfach beizutreten war nicht möglich. Es mußte eine Bewerbung abgeliefert werden, die eingehend geprüft wurde. Ohne Referenzen, wie zum Beispiel bisherige Mitgliedschaften oder Empfehlungen von Szenemitgliedern, blieb einem Bewerber der Zugang verwehrt.


Damit war eine neue Subkultur der Cracker entstanden, die unaufhörlich wuchs. Mitte der 90er Jahre wurde die Zahl der Mitglieder auf 50.000 geschätzt, und die Szene war auf einem neuen Höhepunkt angelangt.7

 

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